Dienstag, 10. März 2009

IRAN-TOURNEE


TEHERAN - Pianotainment® war auf einwöchiger Konzertreise in Persien. Alle Konzerte in der Teheraner Vahdat Hall waren sofort ausverkauft.

Die Vahdat Hall in Teheran ist das bedeutendste Opernhaus des Mittleren Ostens. Es wurde noch zu Zeiten des Schah nach europäischem Vorbild gestaltet und gilt als eine der schönsten Konzerthallen überhaupt. Hier drei Abende hintereinander ausverkauftes Haus zu haben, ist schon etwas ganz besonderes. Im Rahmen der „Golden Nights Concerts“ traten wir als Highlight jeweils in der zweiten Hälfte des Konzerts auf. Das begeisterte Publikum bedankte sich allabendlich mit stehenden Ovationen.

PR-technisch hat unser iranisches Management wirklich alle Register gezogen. Zahlreiche Vor- und Nachberichte standen in den iranischen Medien, darunter natürlich auch die Teheran Times und die Iran Daily News. Stolz macht es uns, dass wir als erste Ausländer überhaupt das nächste Titelblatt des wichtigsten iranischen Musikmagazins Musicreport zieren werden. Kanal 1 des staatlichen Fernsehens sendete ein Exklusiv-Interview mit uns, samt Zusammenfassung unseres Showkonzerts. Der Kultursender Kanal 5 strahlt einen kompletten Mitschnitt in den nächsten Wochen aus. Unsere Konzertreihe in Teheran war so erfolgreich, dass sich bereits eine weitere Tournee in Planung befindet, diesmal durch den ganzen Iran.

Wenn man im Iran ein zweites Mal spielen will, tut man gut daran, das Programm den örtlichen Verhaltensregeln anzupassen. Unsere concert permission gilt nämlich nur bis auf Widerruf. „Dringend abgeraten“ wurde uns z. B. konkret von bestimmten amerikanischen Stücken. Jazz an sich wird nicht so gern gesehen, wobei sich glücklicherweise der Jazz-Begriff im Iran aber relativ gut dehnen lässt, weil schlicht Erfahrungswerte fehlen. Uns wurde ans Herz gelegt, mit überschwänglicher Freude (Pfiffe, Jauchzen, Tanzbewegungen) sparsam zu sein. Trotz entgegenlautenden Ratschlags warfen wir wie in China zwei signierte Tennisbälle unseres Center Court Blues in die lauernde Menge, was zu kleinen Tumulten führte. Als ausländischen Künstlern kann man uns persönlich nicht viel anhaben, aber unser iranisches Management muss für uns gerade stehen…



LAND & LEUTE

Iran ist ein spannendes Land – in vielerlei Hinsicht. Die Bewohner bringen einem ein Maximum an herzlicher Gastfreundschaft entgegen. Man wird sofort eingeladen, höflich herumgeführt, interessiert befragt, reichlich verköstigt und beschenkt, etc. Ein unglaublich sympathisches Volk, das in der persönlichen Begegnung sehr darauf bedacht ist, eventuelle westliche Vorurteile sogleich auszuräumen. Wir haben nicht eine einzige negative Erfahrung gemacht.

Ein nicht unbedeutender Teil der Iraner scheint mit der eigenen Regierung unzufrieden, nicht nur was die Wirtschafts- oder Außenpolitik angeht, sondern auch was die religiös bedingten Restriktionen im Alltagsleben der Menschen angeht. Die Einschränkungen sind nicht unerheblich – gerade für Frauen. Im ganzen Land herrscht Kopftuch-Pflicht, auch für ausländische Touristinnen. Es gibt eigene „Women´s Taxis“ und im öffentlichen Bus ist der vordere Teil ausschließlich für Männer reserviert. Eine Frau auf der Straße selber anzusprechen ist undenkbar; wenn man ihr offiziell vorgestellt wird, darf man ihr nicht die Hand geben. Überflüssig zu erwähnen, dass gerade junge Leute sich mit derlei Verboten schwertun und sich trickreicher Wege bedienen, die Vorschriften doch irgendwie zu umgehen.

Im Iran gehen die Uhren wirklich anders: nämlich 2 ½ Stunden im Vergleich zur MEZ. Ein Kuriosum, aber man gewöhnt sich daran. Witzig war auch, dass auf den Getränkedosen als Maximalhaltbarkeitsdatum immer ´87 angegeben war und wir uns fragen mussten, warum wir ständig mehr als 20 Jahre abgelaufene Limonade (Alkohol ist ja verboten) vorgesetzt bekamen - die auch noch gut schmeckt. Des Rätsels Lösung: Nach islamischer Zeitrechnung befinden wir uns im Jahre 1387 nach Mohammed!


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